Orquesta Nacional de España
Mit dem Beginn der Arbeit von Josep Pons als Chefdirigent in der Saison 2003/2004 begann für die über 60 Jahre alte Vereinigung Orquesta y Coro Nacionales de España (OCNE) ein neuer Abschnitt in ihrer Karriere. Unter seiner Leitung wurden die Organisation und das Image des OCNE modernisiert und seine künstlerischen und kulturellen Ambitionen in regelmäßigen Konzertserien verwirklicht.
Vom musikalischen Standpunkt aus beschränkt sich das Repertoire nicht nur auf das Standardrepertoire der westlichen Welt sondern hat sich um viele Erstaufführungen von Neuer Musik und wieder entdeckter Musik aus früheren Perioden erweitert. Das OCNE bemüht sich außerdem, durch spezifische Themenschwerpunkte seinen Programmen eine zusätzliche Nuance zu verleihen. Goethes Faust, Cervantes’ Don Quixote, Wien um 1900, Musik und Mythen und Blick nach Osten waren Themen bisheriger Konzertserien des OCNE, die aktuelle Saison wird dem Thema Macht, Krieg und Frieden gewidmet.
Eine andere bemerkenswerte Initiative, Carte blanche für…, umfasst mehrere orchestrale und kammermusikalische Konzerte, die einem zeitgenössischen Komponisten gewidmet sind, bei denen allerdings nicht nur Werke des im Mittelpunkt stehenden Komponisten gespielt werden, sondern auch Kompositionen, die von diesem ausgewählt wurden. Hans Werner Henze, George Benjamin, Henri Dutilleux und Elliott Carter erhielten die „carte blanche“ in den vergangenen Saisons, in der laufenden Saison widmet sich die Konzertreihe Sofia Gubaidulina.
Auf diesem Wege baut das OCNE sein Interesse für Neue Musik kontinuierlich aus. Über die Jahre hat dies zu einer großen Zahl von Auftragskompositionen und Premieren geführt, sowie zur Anwesenheit großer Maestri wie Strawinsky und Hindemith, Halffter, Penderecki und Benjamin.
Das Orquesta Nacional de España wurde ursprünglich im Jahr 1937 während des Bürgerkrieges gegründet, offiziell entstand das Orquesta Nacional de España als permanenter Klangkörper aber erst 1942. Seitdem gibt es regelmäßig Konzerte, während der umfangreichen Saison in Madrid, bei den wichtigsten internationalen Festivals in Spanien – Granada, Santander, San Sebastián – und auf Tourneen in Spanien, Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien (zuletzt in Mexico, Deutschland, Österreich und China). Es hat sich stets als Vermittler des wichtigsten orchestralen Repertoires vom Barock bis zur heutigen Zeit gesehen und dabei immer einen besonderen Schwerpunkt auf die Musik spanischer Komponisten gelegt.
Unter den wichtigsten Chefdirigenten, die das Orchester leiteten, befinden sich Ataúlfo Argenta, der das Orchester in den ersten Jahren auf sein hohes künstlerisches Niveau brachte und Rafael Frühbeck de Burgos. Während seiner ersten Periode waren Carl Schuricht, Heinz Unger, Hermann Scherchen, Sergiu Celibidache, Igor Markevitch und Jean Martinon berühmte Gastdirigenten. In der jüngsten Vergangenheit waren unter anderem Bychkov, Slatkin, McCreesh, Minkowski, Fedosseyev und Volkov zu Gast beim OCNE.
Viele der führenden Vokal- und Instrumentalsolisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben gemeinsam mit dem OCNE musiziert – Arthur Rubinstein, José Iturbi, Wilhelm Kempf, Claudio Arrau, Alicia de Larrocha; Yehudi Menuhin, Nathan Milstein, David Oistrach, Leonid Kogan; Mstislav Rostropovich, Pierre Fournier; Jean-Pierre Rampal, James Galway; Victoria de los Ángeles, Norma Procter, Jessye Norman, Gundula Janowitz und Teresa Berganza. Diese Liste wird erweitert durch renommierte Solisten, die in den letzten Jahren die internationale Konzertszene geprägt haben: Frank Peter Zimmermann, Hilary Hahn, Han-Na Chang, Elisabeth Leonskaja, Jean-Yves Thibaudet, Christian Zacharias, die Brüder Capuçon, Joshua Bell, Truls Mørk, Gil Shaham, Lang Lang und Anne-Sophie Mutter.
|