Hintergründe

Jakub Hrůša im Interview

Beethoven: Die Sinfonien

Jakub Hrusa_c_Marian Lenhard
© Marian Lenhard
Neun schöne Kinder eines großartigen musikalischen Vaters.
Jakub Hrůša

Im Beethoven-Jahr 2027 dirigiert Jakub Hrůša alle Sinfonien des Bonner Meisters in Köln und Düsseldorf

Herr Hrůša, alle Beethoven-Sinfonien zum Beethoven-Jahr zu dirigieren: Ist das Pflicht oder Privileg? 

Gewiss und eindeutig ein Privileg! 

Sinfonie Nr. 1: Bewältigen und überwinden.

Beethoven steht ja ohnehin pausenlos auf den Spielplänen: Was ist das Besondere an einem Zyklus aller Sinfonien? 

Wir können aktiv – als Musiker:innen ebenso wie als Publikum – wahrnehmen, wie bemerkenswert sich der Komponist entwickelt hat. Schon die erste Sinfonie war für ihre Zeit ein kühnes und einzigartiges Statement; vor allem aber tritt in einem solchen Zyklus hervor, dass Beethoven sich niemals auch nur im Geringsten wiederholte und in jeder einzelnen Sinfonie stets etwas Originelles schuf – insbesondere dann, wenn wir die Sinfonien chronologisch aufführen. 

Sinfonie Nr. 2: Expandieren und mitreißen.

Inwiefern profitieren wir als Zuhörende davon, einen solchen ganzen Zyklus zu hören? 
Wie ich gesagt habe: Der Bogen seines lebenslangen Schaffens ist schockierend. Und auch innerhalb jedes einzelnen Programms tritt der enorme Fortschritt zutage, zu dem Beethoven fähig war: Etwa die Erste, die zweite und die Dritte (die Eroica) in einem Zug zu hören, wird schlicht überwältigend sein. 

Sinfonie Nr. 3: Anrufen und feiern.

Was begeistert Sie an Beethovens Sinfonien? 

Unbegrenztheit des Talents, Schärfe des Intellekts, eine vitale, bisweilen geradezu animalische Lebensenergie, der unerbittliche Kampf um Sinnhaftigkeit und Bedeutung jeder einzelnen Note und jedes Taktes, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Unmittelbarkeit. Persönlich liebe ich aber auch, dass Beethoven buchstäblich jeden Aspekt des Lebens umarmte. Mitunter sind wir dem Vor-urteil verhaftet, Beethoven sei vor allem ein schicksalhafter musikalischer Raufbold gewesen (ta-ta-ta-taaa seiner fünften Sinfonie). Keineswegs! Beethoven war zugleich einer der größten Lyriker des sinfonischen Schaffens und ein zarter Maler der edelsten und innerlichsten Regungen des Gefühls. Gerade diese Kontraste können hier deutlich hervortreten

Sinfonie Nr. 4: Erfrischen und spielen.

Haben Sie eine Lieblingssinfonie von Beethoven? 
Nein. Neun schöne Kinder eines großartigen musikalischen Vaters! Aber ich gestehe, dass ich mich verpflichtet fühle, immer wieder gerade auf jene hinzuweisen, die nicht zu den bekanntesten gehören: die Erste, die zweite, die Vierte und die Achte! 

Sinfonie Nr. 5: Kämpfen und siegen.

Sie haben sicher alle Beethoven-Sinfonien schon vielfach dirigiert: Wird das Dirigieren da nicht auch zur Routine? 

Niemals und unter keinen Umständen! Beethoven ist ohnehin so anspruchsvoll, dass man schlicht und einfach niemals zufrieden sein kann. Und so bemühe ich mich bei jeder weiteren Gelegenheit darum, dass es wieder zumindest ein wenig besser wird, oder anders gesagt: natürlicher! 

Sinfonie Nr. 6: Beobachten und dahinschmelzen.

Gibt es eine Qualität oder Eigenschaft in Beethovens Musik, die Ihrer Meinung nach zu selten wahrgenommen und gewürdigt wird? 
Zartheit. 

Sinfonie Nr. 7: Tanzen und jubeln.

Was ist für Sie die wichtigste Botschaft, die Beethoven uns heute noch mitgibt? 
Zu seiner Überzeugung stehen, wenn man innerlich davon getragen ist. 

Sinfonie Nr. 8: Zurückblicken und verfeinern.

Konzerte in der Kölner Philharmonie

Sinfonie Nr. 9: Niederreißen und neu aufbauen. Zutiefst verbinden.

Konzerte in der Tonhalle Düsseldorf